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Prof. Dr. Emil Kautzsch

Textbibel

Das Alte Testament

Das zweite Buch Samuel.

Kapitel 22.

Davids Dankpsalm.

1 David richtete an Jahwe die Worte dieses Lieds zu der Zeit, als Jahwe ihn aus der Hand aller seiner Feinde und aus der Hand Sauls errettet hatte.   2 Er sprach:
Jahwe ist mein Fels in meiner Drangsal
und der mir Rettung schafft.
3 Mein Gott ist mein Hort, bei dem ich Zuflucht suche,
mein Schild und mein Heilshorn, meine Burg und meine Zuflucht,
mein Befreier, der du von Gewaltthat mich befreist.
4 Den Preiswürdigen rufe ich, Jahwe,
so werde ich von meinen Feinden befreit.
5 Denn umringt hatten mich Wasserwogen,
tückische Bäche schreckten mich;
6 Bande der Unterwelt umfingen mich,
Schlingen des Todes überfielen mich.

7 Da mir angst ward, rief ich Jahwe an
und zu meinem Gotte schrie ich: Er erhörte aus seinem Palaste meine Stimme
und mein Geschrei drang zu seinen Ohren.

8 Er blickte her - da wankte die Erde;
des Himmels Grundfesten erbebten
und schwankten hin und her, weil er ergrimmt war.
9 Rauch stieg auf in seiner Nase,
und Feuer fraß aus seinem Munde,
glühende Kohlen brannten von ihm aus.
10 Er neigte den Himmel und ließ sich herab,
während Dunkel unter seinen Füßen war.
11 Er bestieg einen Kerub und flog dahin
und schwebte einher auf den Fittigen des Windes.
12 Er umgab sich mit Finsternis als einer Hütte,
mit Wasserdunkel, dichte Wolken.
13 Vom Glanze vor ihm brachen hervor
Hagel und Feuerkohlen;
14 es donnerte vom Himmel Jahwe
und der Höchste ließ seine Stimme erschallen.
15 Er schleuderte Pfeile und zerstreute sie,
blitzte Blitze und scheuchte sie.
16 Da wurden sichtbar die Betten des Meeres,
bloßgelegt die Grundfesten des Erdkreises vor dem Schelten Jahwes,
vor dem Schnauben des Odems seiner Nase.

17 Er langte herab aus der Höhe, ergriff mich,
zog mich aus großen Wassern.
18 Er entriß mich meinem starken Feinde,
meinen Hassern, weil sie mir zu mächtig waren.
19 Sie überfielen mich an meinem Unglückstage,
aber Jahwe ward meine Stütze.
20 Er führte mich heraus in freien Raum,
riß mich heraus, weil er Wohlgefallen an mir hatte.
21 Jahwe erweist mir nach meiner Gerechtigkeit,
nach der Reinheit meiner Hände vergilt er mir.
22 Denn ich hielt inne die Wege Jahwes
und frevelte nicht gegen meinen Gott.
23 Denn alle seine Rechte sind mir gegenwärtig,
und seine Satzungen schob ich nicht beiseite.
24 Ich war redlich gegen ihn
und hütete mich vor meiner Verschuldung:
25 Da vergalt mir Jahwe nach meiner Gerechtigkeit,
nach der Reinheit meiner Hände vor seinen Augen.

26 Gegen die Liebreichen zeigst du dich liebreich,
gegen die Redlichen zeigst du dich redlich,
27 gegen den Lauteren zeigst du dich lauter
und gegen den Verkehrten zeigst du dich verdreht.
28 Und du schaffst Hilfe gedrücktem Volke,
aber die Augen aller Hoffärtigen erniedrigst du.
29 Denn du bist meine Leuchte, Jahwe,
und Jahwe erhellt meine Finsternis.
30 Denn durch dich zerbreche ich Mauern,
mit meinem Gotte springe ich über Wälle.
31 Gottes Weg ist vollkommen!
Das Wort Jahwes ist durchläutert:
ein Schild ist er allen, die bei ihm Zuflucht suchen.

32 Denn wer ist Gott außer Jahwe,
und wer ein Hort außer unserem Gott?
33 Dem Gott, der mich mit Stärke gürtet
und meinen Weg eben macht;
34 der meine Füße den Hindinnen gleich macht
und mich auf Höhen stellt;
35 der meine Hände streiten lehrt,
daß meine Arme den ehernen Bogen spannen.
36 Und du gabst mir den Schild deines Heils
und deine Herablassung machte mich groß.
37 Du machtest weiten Raum für meinen Schritt,
und meine Knöchel wankten nicht.
38 Ich verfolgte meine Feinde und holte sie ein
und kehrte nicht um, bis ich sie vernichtet;
39 ich vernichtete und zerschmetterte sie, daß sie nicht mehr aufstanden
und hinsanken unter meine Füße.
40 Du gürtetest mich mit Stärke zum Streit,
beugtest meine Widersacher unter mich.
41 Du ließest mein Feinde vor mir fliehen;
meine Hasser - die rottete ich aus!
42 Sie schrieen - aber da war kein Helfer,
zu Jahwe - aber er antwortete ihnen nicht.
43 Und ich zermalmte sie wie Staub auf dem Boden,
wie Gassenkot zertrat ich sie, goß ich sie aus.
44 Du errettetest mich aus Völkerfehden,
setzest mich zum Haupte der Heiden:
Leute, die ich nicht kannte, wurden mir unterthan.
45 Aufs Hörensagen gehorchen sie mir,
die Söhne der Fremde schmeicheln mir.
46 Die Söhne der Fremde schmachten dahin
und zittern hervor aus ihren Schlössern.

47 Es lebt Jahwe und gepriesen ist mein Hort,
und hoch erhaben der Gott, der Fels meines Heils;
48 der Gott, der mir Rache gab
und die Völker unter mich that,
49 der mich herausnahm aus meinen Feinden,
und über meine Widersacher erhöhtest du mich.
Vor dem Manne voll Gewaltthaten errettetest du mich.

50 Darum will ich dich preisen, Jahwe, unter den Heiden
und deinem Namen singen,
51 der seinem Könige großes Heil verleiht
und seinem Gesalbten Huld erweist,
David und seinem Samen bis in Ewigkeit!